Montag, 12. November 2012

Ernst Happel - 29.11.1925 - 14.11.1992

Am 14.11.1992 starb Ernst Happel nach langer, schwerer Krankheit und hinterließ im österreichischen Fussball eine Riesenlücke.
Der in Wien geborene Happel war sowohl als Spieler als vor allem auch als Trainer ein Genie und prägte seine Zeit nachhaltig.

Als Spieler begann, der in Penzing geborene bei Rapid und avancierte bald zum Publikumsliebling. Seine unglaubliche Begabung ließ machte ihn zu einem Weltklasseverteidiger, sorgte aber auch dafür, dass er manchmal nicht voll gefordert war und dann mit wahnwitzigen Einlagen die Nerven seiner Mitspieler, Trainer und auch der Fans strapazierte. So lief er in einem Match auf seinen Keeper Zeman zu und donnerte den Ball ins Tor um den verdutzten Tormann danach darauf aufmerksam zu machen dass er nicht einmal seinen Schuss halten könne.

Highlight und zugleich Tiefpunkt seiner Spielerkarriere war die WM 1954, bei der Österreich zu den Mitfavoriten zählte und groß aufspielte, allerdings im Semifinale sang- und klanglos gegen Deutschland mit 6:1 unterging, ehe man mit einem Sieg gegen Uruguay den 3. Platz und damit die beste Platzierung eines österreichischen Teams in der WM Geschichte sicherte. Doch das 1:6 gegen Deutschland hatte ein Nachspiel, die Fans warfen ihm und Zeman vor bestochen worden zu sein worüber er sich so kränkte, dass er nicht mehr in Wien bleiben wollte. Und so wechselte er zu Racing Paris.
Seine Spielerkarriere endete 1959 nach 6 österreichischen Meistertiteln und 1 österreichischen Cupsieg sowie dem 3. Platz bei der WM 1954.

Danach begann seine unglaublich erfolgreiche Trainerkarriere.
ADO Den Haag, Feyenoord Rotterdam,  FC Sevilla,  Club Brügge, Niederlande, KRC Harelbeke, Standard Liège,  Hamburger SV, FC Swarovski Tirol, Österreich

Bereits bei der ersten Station ADO Den Haag führte er einen Underdog in 6 Jahren zum Pokalsieg. Bei Feyenoord Rotterdam folgte dann seine vielleicht größte Zeit - 2x Meister, Europokalsieger 1970 und Weltpokalsieger 1970 und mit dabei auch ein Österreicher - Franz Hasil.
Auch bei Brügge führte er einen Dorfklub zu großem Ruhm und gewann 3 Meistertitel ehe er holländischer Teamchef wurde und die Niederlande 1978 ins WM Finale führte und sich dort erst in der Verlängerung den Gastgebern aus Argentinien geschlagen geben musste. Danach revolutionierte er in Deutschland mit seiner Taktik den deutschen Fussball und führte den HSV zu 2 Meistertiteln und einem Europapokalsieg.
Dann folgte die Rückkehr nach Österreich wo ebenfalls 2 Meistertitel für Tirol folgten.
Zum Abschluss folgte, bereits schwer von der Krankheit gezeichnet die Position als Österreichs Teamchef.

Neben seiner herausragenden fachlichen Kenntnisse stach Happel aber vor allem durch seine Persönlichkeit hervor - Charisma auf der einen Seite, eine gewisse Schrulligkeit und sein Grantlertum auf der anderen prägten das Bild das man von Ernst Happel hatte. Knackige Sprüche, Pressekonferenzen die nur 30 Sekunden dauerten und seine absolute Unhörigkeit gegenüber Obrigkeiten waren sein Markenzeichen. Legendär seine Reaktion als der Schiedsrichter im WM Finale 1978 Holland gegen Argentinien einen seiner Spieler aufgrund einer Handmanschette nicht spielen lassen wollte und er ganz cool antwortete, dass er daher einen anderen aufstellen und aufwärmen lassen müsste und 30 Minuten Verzögerung erforderlich wären - das konnte man sich aufgrund der Fernsehübertragung nicht leisten worauf der Einspruch zurückgezogen wurde.

Taktisch war er seiner Zeit immer weit voraus, seine Mannschaften spielten kollektiv offensiv, verschoben ganzheitlich, praktizierten Pressing - ein Begriff der in den 70er Jahren noch unbekannt war. Der Erfolg gab ihm Recht - fast überall wo er Trainer war hatte er Erfolg.

Gesundheitlich hatte der Kettenraucher lange Zeit mit dem Krebs zu kämpfen und er tat dies bis zuletzt mit großem Kampfgeist. Als er starb verlor der österreichische Fussball eines seiner größten Aushängeschilder, noch viel schwerwiegender aber einen großartigen Menschen.
Ernst Happel verstarb am 14.11.1992 in Innsbruck.

Quelle: Wikipedia, Buch Happel. Danke Ernst (Heinz Prüller)

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